Stopp! Rechte erkennen und benennen

Die Springerstiefel sind wieder zurück. Längst sind Neonazis wieder vermehrt im öffentlichen Raum präsent. Ob in alter Manier mit Glatze und Springerstiefeln oder im vermeintlich neuen Gewand als Neue Rechte - die menschenverachtende Ideologie dahinter ist dieselbe.

Der Rechtsruck im Parlament, der Kapitalismus in der Krise, Nationalismus sowie verschiedene Diskriminierungsformen tragen massgeblich zu dieser Entwicklung bei. Rechtsextreme zu erkennen ist dabei der erste Schritt, um ihnen angemessen entgegenzutreten. Zu den wichtigsten Erkennungszeichen von Rechtsextremen gehören Neonazisymbole und Symbole mit direktem Bezug zum Nationalsozialismus. Diese werden oft von klassischen Alt-Neonazis verwendet, welche aus ihrer Gesinnung keinen Hehl machen. Zu diesen Symbolen gehört als wohl bekanntestes Zeichen das Hakenkreuz, aber auch verschiedene Runen-Arten. An dieser Stelle ist es interessant zu erwähnen, dass die «Tyr Rune» das Markenzeichen der rechtsextremen Organisation «Junge Tat» ist.

Nicht alle Rechtsextremen sind aber so einfach und eindeutig zu erkennen, was am Beispiel der sogenannten «Neurechten» ersichtlich wird. Diese unterscheidet sich von den klassischen Alt-Neonazis, indem sie deutlich subtiler in ihrem äusseren Erscheinungsbild sind. Statt Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke präsentieren sich Neurechte mit Seitenscheitel, New Balance Schuhen und The North Face Jacken. Hierbei bedienen sie sich bewusst der Ästhetik von linker Subkultur. So ähnelt der Auftritt der Jungen Tat mit The North Face-Jacken und Schlauchschals dem von demonstrierenden Antifas. Doch auch wenn die Hülle der Neurechten gemässigter erscheint, im Kern vertreten sie die gleiche menschenverachtende Ideologie wie Alt-Nazis. Die Ästhetik von bestimmten Subkulturen dient hier lediglich als Rekrutierungstool, um bei den Jungen Fuss fassen zu können. 

Ein weiterer wichtiger Aspekt von rechter Optik sind Kleider- und Kampfsportmarken. Hierbei ist es wichtig, zwischen explizit rechtsextremen und sogenannten «szenetypischen» Marken zu unterscheiden. Beispielsweise die Marken «Thor Steinar» oder «Consdaple» sind klar rechtsextreme Marken und sind daher auch einfach zu kategorisieren. Anders sieht es bei den szenetypischen Marken wie The North Face, Lonsdale oder New Balance aus. Diese werden zwar oft von Nazis getragen, die Marken selbst, also die dahinterstehenden Firmen, sind aber nicht rechtsextrem. Beim Erkennen von Nazis ist daher oft das Gesamtbild wichtig. Eine Person in einem autonomen Kulturzentrum, die ein Lonsdale-Shirt trägt, ist sehr wahrscheinlich nicht rechtsextrem. Wenn eine Person jedoch an einer rechten Demo ein Lonsdale Shirt trägt und rechte Tattoos hat, dann ist sie ziemlich sicher rechtsextrem. 

Zentral beim Erkennen von Rechten sind zudem die Logos von rechtsextremen Gruppen. Hierbei ist es wichtig, nationale und lokale Strukturen zu kennen. In Bezug auf die Schweiz sind hier die Junge Tat sowie diverse Aktive Clubs zu nennen. Aber auch die Kenntnis über international agieren- den Neonazi-Netzwerke, wie beispielsweise Blood & Honour sind wichtig. Damit rechtsextreme Codes und Erscheinungsbilder leichter zu erkennen sind, haben wir vom offenen antifaschistischen Treffen Bern (OAT) ein Plakat erstellt. Das Plakat umfasst Symbole, Kleider, Codes sowie Organisationen des neonazistischen Spektrums. Dabei haben wir uns am Plakat von «Kein Bock auf Nazis» orientiert. Unser Plakat bezieht sich jedoch primär auf den deutschsprachigen Raum und umfasst lediglich die am häufigsten verwendeten Symbole. Um ein umfassenderes Bild zu erhalten, sind unten rechts im Plakat Adressen von zahlreichen Antifa-Rechercheplattformen wie etwa Exif-Recherche oder Recherche-Nord vermerkt.

Das Plakat ist dafür da, Rechte zu erkennen und zu benennen. Wenn ihr Rechte seht, meldet euch bei euren lokalen Antifa-Strukturen und oder bei professionellen Beratungsstellen. An diesem Punkt ist wichtig zu sagen: «Keine falsche Toleranz der Intoleranz gegenüber». Stellen wir uns Nazis entschlossen entgegen. Keine Fussbreite dem Faschismus!