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Der Newsticker macht alles gleich. Alles Wichtige belanglos. Und alles Belanglose enorm dringlich.

Es ist Mittwochnachmittag, Trump veröffentlicht auf seiner Social Media Plattform «Truth Social» einen Post, in dem er dem Iran mit Auslöschung droht. Die Nachricht erscheint sogleich in den verschiedensten Nachrichtentickern. Im Bund reiht sich die Meldung in den «Ticker zum Krieg im Nahen Osten» ein. Über neuntausend Kommentare befinden sich in der Kommentarspalte zu den über Monate angesammelten Eilmeldungen. 

Ein kleiner grauer Kasten irgendwo dazwischen gibt Trumps Post wider, und das wars auch schon. Natürlich folgen später auch andere Artikel: Einordnungen, Kritik, Analysen. Aber an erster Stelle steht der Nachrichtenticker; eine Flut an unkommentierten Informationen, die gefühlt in die Ewigkeit zurückzuscrollen sind, ohne jede Einordnung. 

Also lese ich an diesem Mittwoch erstmals seine Worte, neben Eilmeldungen, die einen Überblick über die Geschehnisse verunmöglichen, weil man sie in chronologischer Gegenbewegung aufschlüsseln, im Kopf irgendwie gewichten und je nachdem wieder revidieren muss, weil alles, was nur auf Aktualität baut, jegliche Relevanz verliert, sobald es nicht mehr aktuell ist. 

Dabei wäre es doch die Aufgabe des Journalismus, Information, nachdem sie überprüft wurde, einzuordnen, sie in einen Kontext zu bringen, sie erklärbar zu machen, sie zu analysieren. Weil; was unterscheidet die Zeitungen sonst noch von allen anderen Medien, in denen die Informationen wohlweislich (noch) schneller erhältlich sind. Ich kann Trumps Aussagen auch auf den Sozialen Medien verfolgen (leider). Ich brauche von einer Zeitung nicht in Echtzeit die Wiedergabe der Sozialen Medien.

Vor allem aber macht die unkommentierte Informationsflut der Nachrichtenticker alles gleich. Der Ticker zu «USA unter Trump» etwa reiht die Ankündigung Trumps anlässlich seines Geburtstags Käfigkämpfe vor dem weissen Haus zu veranstalten, seine primitive Geburtstagskarte an Jeffrey Epstein, das KI-generierte Foto, in dem er Jesus verkörpert, und seinen Angriff auf den Iran als Eilmeldung aneinander als wären es verschiedene Uhrzeiten desselben Tages. Auf den Krieg, folgt die Karte, folgt das KI-Foto, folgt der Käfigkampf. Alles wichtig, alles krass, alles muss schnell vermittelt, schnell verwertet, schnell gelesen werden. Und wird nur dahingehend in einen Zusammenhang gebracht, als die Informationen zu verschiedenen Zeitpunkten erhältlich sind, die Ereignisse sich zu verschiedenen Zeitpunkten ereignen. Keine Chronologie also, sondern eben nur eine Aneinanderreihung.

Der Begriff Newsticker geht übrigens auf die Übermittlung von Informationen aus den Nachrichtenagenturen zurück, die dann von den Zeitungen aufgenommen wurden. Die Maschinen gaben bei jeder neuen Meldung ein Tickgeräusch von sich. Heute tickt es nicht mehr, dafür blinkt ein kleiner roter Punkt im Onlinemedium und macht so auf die Dringlichkeit jeder neuen Information aufmerksam. Etwa auch auf den in der Ostsee gestrandeten Wal: Da ist zwar kein Live Ticker, dafür aber ein Live-Stream einsehbar, in dem der Rettungsversuch des Wals minutiös mitverfolgt werden kann. Oder die Gerichtsverhandlung zum Brand in Crans Montana. Weil es gerade essentiell ist, jeden einzelnen Aspekt der Verhandlung in Echtzeit mitzuverfolgen. Oder die Medienkonferenz zur Entlassung des Hockey Nationaltrainers Patrick Fischer wegen eines gefälschten Covid-Zertifikats, wo wir dann nachlesen können, wie der Präsident des Schweizerischen Eishockeyverbandes auf die einzelnen Fragen der Journalist*innen antwortet (z.B. «Das müsste Fischer beantworten»). Wer braucht das nicht? 

Und so blinkt und tickt es in meinen Online-Zeitungs-Apps. Mal ist es ein Walfisch, mal eine belanglose Antwort auf die Frage eine*r Journalist*in, mal die Androhung eines Genozids, Hauptsache, ich kann alles sofort erfahren.