Lieber QfR, bitte bleib

Der Queerfeministische Raum der Reitschule, kurz QfR, leidet unter finanziellen Problemen. Nun hat das Kollekitv zu einem Crowdfundig aufgerufen. Das megafon hat mit zwei Mitgliedern des QfR gesprochen.

« Für uns Frauen gibt es keinen Freiraum, keinen Urlaub vom Patriarchat. Auch in der Reithalle nicht. Ausser wir nehmen ihn uns», sagt eine Stimme im Film Berner Beben von 1990, der die Gründung der Reitschule dokumentiert. Seine Anfänge nimmt der Queerfeministische Raum Ende der 1980er Jahre. Zunächst organisiert die FrauenAG der Reitschule eine Frauendisco und stösst damit sogleich auf Widerstände. Die Frauen berichten im Dokumentarfilm: «Aso mir hend wölle Frauedisco mache und da het ziemlich Widerständ ge. Aber etz het sie scho drü mol chöne stattfinde und mi hets total lääs dunkt.» Es ist eine Befreiung. Deshalb lassen die Frauen trotz der Gegenwehr nicht ab und gründen 1992 den Frauenraum. Die patriarchale Gewalt ist real und es braucht einen eigenen Schutzraum für Frauen* innerhalb der Reitschule. 

Ein Raum der Freiheit

Mittlerweile ist der Frauenraum zum Queerfeministischen Raum geworden, ein Raum also für trans, inter und nonbinäre Personen, für Schwule, Lesben und Frauen, für Drag Kings und Queens, ein Schutz- und Vernetzungsraum, der innerhalb von Bern und der Welt immer noch eine Seltenheit darstellt. Es finden darin diverse kulturelle und politische Veranstaltungen statt, wie die monatliche Disco Ribelle oder der Bar0meter, eine Party am Sonntagnachmittag. Der Lalalacoeur ist ein queerfeministischer Chor, in der Wandelbar wird diskutiert und beim Zartbitte.r Brunch wird natürlich gebruncht. Vorallem aber ist der Queerfeministische Raum ein Schutzraum für FLINTA*s. 

Rachel aus dem Kollektiv berichtet von ihrem ersten Besuch im QfR vor zehn Jahren. Angereist aus Biel, war sie sofort hingerissen von dem Raum und seinen Besucher*innen: «Es war Sommer, ich war barfuss, es war warm draussen und vor allem die Leute waren warm. Es war so herzlich. In Biel gabs damals noch nicht so viele queere Spaces, das hier war schon was anderes.» Einen Safen Space zu haben, also einen Ort, an dem sich Rachel und die anderen Besucher*innen sicherer fühlen konnten als an vielen anderen Veranstaltungsorten, war Rachel neu und hat sie beeindruckt: «Safe Space, es steht sogar in den Wänden drin.» Nach einigen Malen aushelfen an der Bar, hat sie angefangen sich im Kollektiv zu engagieren.

Das Kollektiv des QfR besteht aus rund 50 Personen, die in verschiedenen Veranstaltungsgruppen tätig sind. Alina ist seit gut einem Jahr beim QfR und hat mit einer Gruppe von anderen neuen Mitgliedern den Zartbitte.r Brunch gegründet. Im QfR kann mensch kreativ sein und neue Ideen einbringen. Auch für Alina war es eine neue Welt, die sich ihr auftat, die ihr Sinn, Freude und Freund*innenschaft brachte.

Herausforderungen

Dabei ist der QfR immer wieder mit Schwierigkeiten konfrontiert. Viele Aufgaben werden etwa von Einzelpersonen getragen. Weil jegliche Arbeit unbezahlt ist, fehlt es an Kapazitäten. Deshalb ist es schwierig für das Kollektiv, auch noch am gesamten Reitschulkontext teilzunehmen, obwohl sie das wichtig fänden. 

Zurzeit fehlt es aber vor allem an Geld. «Es gibt da einen Widerspruch», sagt Rachel, «es ist für uns so wichtig auch mal was gratis geben zu können, uns gegen den Konsumzwang zu stellen, ist ein zentraler Wert, wir wollen ausserdem Soli-Veranstaltungen durchführen können. Aber die finanziellen Probleme sind halt da.» Wie umgehen mit diesen Widersprüchen?

Finanzielle Schwierigkeiten hat der QfR schon länger, doch jetzt sind sie zu einem unüberwindbaren Problem geworden. Seit dem Winter befindet sich das Kollektiv darum in einer Umstrukturierung, in der die Mitglieder versuchen, sich als Kollektiv wieder nachhaltig von innen aufzubauen. In dieser Übergangsphase gibt es verschiedene Betriebsgruppen, die den Raum stützen. «Diese Lösung gibt uns etwas Zeit und Luft neue Ansätze zu finden, sodass in Zukunft diese Aufgaben auch wieder vom Gesamtkollektiv übernommen werden können. Konkret sind auch immer Menschen gesucht, die gerne im QfR aktiv werden möchten», bemerkt Alina.

Perspektiven

Gemeinsam versuchen die Mitglieder vom QfR die Schwierigkeiten zu stemmen, denn dass es Safe Spaces für FLINTA*s gibt ist wichtig und wird gerade durch das Clubsterben in Bern wieder mehr zur Seltenheit. Sich Safe fühlen und sich vernetzen können, soll als Möglichkeit bestehen bleiben, und dass ausgerechnet bei den Queers das Geld fehlt, darf nicht sein. Das hat auch einen historischen Aspekt. Nun macht der QfR ein Crowdfundig. Ziel soll sein, die hohen Schulden begleichen zu können und Geld für den Umbau, der 2027 stattfinden soll, zur Seite zu legen. 

Was gibt Rachel und Alina Kraft? «C’est la joie militante», erklärt Rachel. Es ist die Freude am Zusammenkommen, am Events veranstalten, an der vielen positiven Resonanz, auf die sie stossen. Es ist die Community. Es sind die Begegnungen, der Tanz und die Freiheit. Es ist die queere Joy. Alina wünscht sich für den QfR ein nachhaltiges Bestehen und Commitement. Die Wärme und das Glitzern des QfRs soll weiterhin nach aussen getragen werden.