
Was haben Tobias Lingg, Lea Moll, Marlon Buser, Daryl Sallenbach, Julia Steinmann, Dennis Roth und Sebastian Stefan gemeinsam? Sie sind in rechtsextremen Kreisen organisiert (mit anderen Worten, sie sind Faschos). Und sie wurden in den letzten Monaten vom Instagram-Account «berngegenrechts» in der Rubrik «Nazi-Outing» gedoxt.
«Doxing» (manchmal auch «Doxxing») beschreibt das Recherchieren und online Veröffentlichen von persönlichen Dokumenten, Bildern und anderen sensiblen Informationen. Der Begriff leitet sich aus dem Englischen «dropping documents (dox)» ab. Seinen Ursprung hat Doxing in der Hacking-Community der 1990er-Jahre.
Ziel ist in den allermeisten Fällen, der gedoxten Person Schaden zuzufügen. Mittels der Reichweite eines Profils, einer Webseite oder einer Online-Plattform werden möglichst viele Menschen dazu aufgerufen, Druck auf die Person oder ihr Umfeld auszuüben. Im Falle der von berngegenrechts gedoxten Personen beinhalten die veröffentlichten Informationen zum Beispiel Adresse, Arbeitsstelle, Telefonnummer, Auto-Kennzeichen und natürlich ideologische Gesinnung und politische Organisierung. Die Followerschaft wird beispielsweise dazu aufgerufen, die Personen oder ihre Arbeitgeber*innen zu kontaktieren. Ein gelungenes Beispiel, wo solches Doxing Konsequenzen nach sich zog: Einigen der Personen aus dem 2024 viral gegangenen Video aus Sylt wurde als Konsequenz des öffentlichen Drucks die Arbeitsstelle gekündigt.
Doxing kann aus unterschiedlichen Motiven angewendet werden. Das können politische, persönliche oder wirtschaftliche Beweggründe sein. Es gibt auch Fälle des Doxings aus antifeministischen oder rassistischen Motiven, und dies kann für gedoxte Personen sehr gefährlich sein – beispielsweise wenn die Online-Community dazu aufgerufen wird, die gedoxte Person zu stalken, sie zu belästigen oder ihr Gewalt anzutun/anzudrohen. Je nach Beweggrund variiert damit die moralische Bewertung des Doxings. Im Falle von Rechtsextremen-Outings ist Doxing sicherlich wichtig und richtig. Es sollte aber denjenigen überlassen werden, die sich mit antifaschistischer Arbeit auskennen.
Doxing ist eine Form des Online-Aktivismus, teils wird in englischsprachigen Publikationen auch von «political Hacktivism» gesprochen. Bürgerliche Medien sprechen indes von Online-Selbstjustiz. Offiziell gilt Doxing in der Schweiz als eine Form der digitalen Gewalt. Im Gegensatz zu anderen Ländern existiert hier für Doxing kein eigener Straftatbestand. Legal ist es trotzdem nicht, so könnten zum Beispiel eine Persönlichkeitsverletzung im Datenschutzgesetz oder Cybermobbing gemäss Strafgesetzbuch eingeklagt werden. Wer also Faschos doxen will, sollte dabei besser anonym bleiben.
Übrigens, am 30. Mai findet der Antifa Nachmittagsspaziergang statt. 15:00 Uhr, Bahnhofplatz Bern. Alerta!

