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 no milk today? 
 
sie schlenderte so des weges, fragte sich mal wieder, was denn so schiefgelaufen sein könnte, und versuchte zu rekapitulieren, was ihr bücherwissen diesbezüglich hergab, also:No Milk today
Nr. 290, Dezember 05

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quellen und weiteres,
siehe: http://tt.immerda.ch /pdf/0508wegber-fin.pdf

 

*) erbsen als ‹verbindungselemente›, zahnstocher als ‹skelett›, und es lassen sich die dollsten (krassgeometrischen) konstruktionen in den raum stellen

 

 

 

da gab es den jan ámos komensk´y ungefähr im siebzehnten jahrhundert schrieb er die ‹erste› «wissenschaftliche anleitung zur bildung und erziehung der kinder im vorschulalter», in welchem er seinen pansophischen – ganzheitlichen – ansatz mit persönlichen erfahrungen aus der (lehr)praxis und anregungen zeitgenössischer theoretik- & praktikern verband. ganzheitlich stellt sich bei ihm als «jedem alles» zu lehren heraus: «die zusammenfassung aller wissenschaften und künste in zunehmender differenziertheit» – «vom einfachen zum schweren». dass seine arbeiten nur als teile eines «umfassenderen bildungsprogrammes» zu verstehen sind, in welchem er die erziehung in «mutterschul» (-6), «muttersprachschul» (6-12), «gymnasium» (12-18) und «universitäten» (18-24) unterteilt. sein «orbis sensualium pictus» – das erste bebilderte «realienbuch» ist eines der frühesten beispiele für ‹didaktisch wertvolle› bücher für selbständig rotierende körper … netterweise findet sich auch eine nähere erläuterung, wie er denn ‹erziehen› praktiziert und sich vorstellt: «alles fliesse von selbst, gewaltsamkeit sei fern von den dingen» … sozusagen ist der rohrstock nicht ‹sofort›, ‹von allen› gutgeheissen worden … auch frontaluntericht ist eine erfindung der ‹massenproduktion›, wie wir bei john locke sehen. bekannt durch seine heraushebung der «tabula rasa» – dass das neugeborene einer unbekratzten schallpladde gleicht, und alle ereignisse, die folgen, dort eingegraben werden. er veröffentlichte kurz vor seinem tode 1704 seine «schriften zur pädagogik», in welchen er die kinder unterteilt in «kinder des arbeitenden volkes» (spinn- & strickschulen, rohrstock) und den «nachwuchs grossbürgerlicher und adliger gesellschaftsschichten». in diesen schriften gab er wertvolle vorschläge für die kleinkindpädagogik, die auch die ansichten rousseaus beeinflussten.

jean jacques rousseau fand: «der mensch ist AN SICH gut». als person ist rousseau allerdings ein bisschen zwiespältig, da er seine eigenen fünf kinder ins findelhaus gab. heute wird in vielen büchern berichtet, dass es doch toll sei, dass er seine ‹praktische unzulänglichkeit› in ‹theoretische überlegungen› transformierte. in «émile – oder über erziehung» geht es ihm hauptsächlich um das selbstverständnis des menschen: «alles ist gut, wie es aus den händen des schöpfers der dinge hervorgeht – alles entartet unter den händen des menschen» heisst es zu beginn des werkes. er stellt darin heraus, dass das kind kein unvollkommener erwachsener sei, sondern ein wesen, welches seine erfüllung und reife in sich selber trägt. zudem räumte er dem spiel eine didaktisch wertvolle funktion ein. es ist ‹ein bisschen› zum schreien, dass frauen in der «geschichte der pädagogik» erst im neunzehnten jahrhundert erwähnung finden, und die möglichkeit erhielten, arbeiten zu publizieren. aber ich springe hier. (…)

kurz nach rousseau taucht pestalozzi auf, bestimmt ein sehr warmherziger mann, der, im gegensatz zu rousseau, neben seinen theoretischen erörterungen (zur erziehung oder lehrbücher für kinder selbst), auch praktisch tätig war. sein ideal war die «heimische familie» und das lehren/lernen «am herd», was er gegen ende seines lebens in «kinderhäuser» überdachte. gegen ende seines lebens traf er auch fröbel. oder umgekehrt. jedenfalls arbeitete dieser eine weile mit pestalozzi zusammen, übernahm für eine weile dessen schule, ging dann jedoch zurück in seine ‹heimat›, nach keilhau bei rudolstadt, wo er mit freunden den kindergarten ‹erfand› sowie die notwendigkeit von ausgebildeten «erzieherinnen» betonte. neineinein, – nicht um das prügeln zu ‹trainieren›, sondern den gebrauch der «spielgaben», die fröbel und co. entwickelten, zu unterweisen. diese spielgaben sind ein recht ausgetüfteltes «system», was ein bisschen an komensk´y erinnert, da es auch «ganzheitlich», ja sogar ‹fraktal› genannt werden kann…
ganz am anfang, wenn das kind noch kaum gucken kann, bekommt es einen weichen ball. dann, beim krabbeln und bisschen mehr sehen, einen (holz!) würfel, und dann immer feiner werdende holzstäbchen, welche in dem «zahnstocher- & erbsenspiel*» münden, fantastisch die kreativität anstacheln und sogar frank lloyd wright (stararchitekt) in seinen memorien von seiner kindheit schwärmen lassen. und hier gehts eben leider mal wieder abwärts. fröbel, der mittlerweile verschiedenste kindergärten im erzgebirge gegründet hatte, musste kurz vor seinem tod 1852 mit ansehen, wie diese verboten wurden, weil sie «sozialistisch und zum atheismus berechnet» seien. dies verleitete ihn zu dem ausspruch: «sie sehen, dass in deutschland immer alles beim alten bleibt». um die jahrhundertwende gab es in vielen ländern menschen, welche dem fortschritt an rationalisierung, verbreitung und effektivierung im bildungswesen mit skepsis begegneten. von «verkümmerung» emotionaler und künstlerischer kräfte, «entseelung», «mechanisierung» war die rede, und reformer unterschiedlichster coleur trugen ihre ideen und programme zur «neuen bildung» vor – sei es als redner- und schriftstellerinnen, sei es als organisatorinnen und verbandspolitiker, sei es in geduldiger kleinarbeit in schulstuben und sozialeinrichtungen. jaja, genau, es melden sich auch frauen zu wort, die gehört wurden! zu erwähnen sei hier eventuell maria montessori. dann aber folgte der ‹herbe einschnitt›, den die kriege in mitteleuropa, und dann der faschismus der «menschenbildung» antat. wo ‹erziehung› krass zusammengekürzt und hauptsächlich zur körperlichen ertüchtigung und gefolgsamkeit missbraucht wurde. in den «grundlagen der körperlichen und geistigen erziehung des kleinkindes im nationalsozialistischen kindergarten» steht explizit, dass «weder stäbchen- und legespiele, noch die methodisch geleitete beschäftigung mit hohlzylindern eine genügende gewähr bieten, dass die erreichte stufe der körperlichen tüchtigkeit nunmehr erhalten bleibt», beziehungsweise dass auf «die ausbildung besonderer geistiger fähigkeiten, soweit sie nicht als erlebnisquell aus der anschauung stammen, viel stärker als bisher verzichtet werden soll.» – danach ist festzustellen … dass es zwar immer wieder spannende projekte gab – wie zum Beispiel «summerhill» – allerdings die «staatlichen schulen» im kalten krieg eher einschränkend als weiterbildend wirkten, zumindest in «heiklen» bereichen wie gesellschaft, filosofie oder religion. auch heute – in unserm achsotollen wirtschaftsfaschismus – ist es superschwierig, jahrhunderte alte erkenntnisse der didaktik grossflächig einzusetzen …

weitervorsichhinstolpernd beschloss sie, daran mitzuhelfen, aufzuklären, und eventuell neue ansätze mitzuentwickeln…

 
 
       
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