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 A-Perron 
 AUTONOME FREIRÄUME THUN 
 
Früher war alles besser, heisst es häufig von konservativen Seiten her. Was die kulturellen Freiräumen in Thun betrifft, stimmt dieses Sprichwort für einmal sogar. Vielleicht ist einigen Leser_Innen und Thunkundigen noch das ehemalige Selve-Areal am Ende der Innenstadt bekannt. Die verschiedenen Clubs und Bars, das Rollorama und was es sonst noch gab. Auf jeden Fall gab es mehr Platz für alles und alle. Dieser ist nun endgültig unter den grauen Neubauten verschwunden. Es zieht Ruhe in das komplett umgekrempelte Quartier ein.Schwerpunkt
Nr. 379, Mai 2013

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Früher war alles besser, heisst es häufig von konservativen Seiten her. Was die Seit das Selve-Areal als bekannte und beliebte Ausgangs- und Begegnungsstätte für Jung und Alt in einen Ort von Büros und Wohnungen umgewandelt wurde, erfuhr der öffentliche Raum in Thun eine unangenehme, Freiraum einengende Veränderung. Es entstanden immer grössere Einkaufstempel, riesige Werbetafeln und Werbebilder im öffentlichen Raum. Weitere Ausgehlokale in der Innenstadt litten bereits unter Einschränkungen ihres Betriebes oder mussten diesen ganz schliessen. Als Nachzügler dieser Veränderungen wurden verstärkte Kontrollmassnahmen durch Videoüberwachung, Reglementierungen, sowie durch die erhöhte Präsenz von privaten Sicherheitsdiensten und Polizei eingeführt. Einen Ersatz für die geschlossenen Bars und Clubs gab es keinen, zumindest keinen der ein bisschen Selbstbestimmung zulassen würde und schon gar nicht einen, welcher ohne Konsumzwang auskam. Als Folge suchten sich viele Leute neue Ausgehorte, meistens in Richtung Bern. Das heisst für Thun: es gibt mehr repressive Sicherheitsmassnahmen für weniger Menschen im Nachtleben und es entsteht eine «Stadt der Alten».

Doch dem entgegen regte sich auch in Thun der Widerstand! Junge und Junggebliebene schlossen sich in aktiven Kollektiven zusammen, um eine alternative Stadtentwicklung durchzusetzen. Zuletzt mit uns, dem Kollektiv A-Perron. Doch auch schon vorher traten Menschen an die Öffentlichkeit, um für dieses Ziel zu kämpfen. So gab es vor uns verschiedene Gruppen, die auf unterschiedliche Weise versucht haben, Freiräume zu schaffen. Zwischen den verschiedenen Generationen von Aktivist_innen fand ein konstruktiver Wissensaustausch statt. Von den «Raumfänger_innen» über die Gruppe «Aktion Hausgeist» bis zum «Kollektiv A-Perron» ging die gemeinsame Idee nie unter. Auch überregionales Engagement, von Menschen, die die gleichen Schwierigkeiten in ihren Ortschaften erleben, kam den Thuner Aktivist_innen zu Gute. Mit dieser Vernetzung war es möglich, den Kampf um Freiräume seit gut einem Jahrzehnt, trotz Niederschlägen, aufrechtzuerhalten.

Diese langwährende Geschichte des Thuner Freiraumkampfes scheint endlich Wurzeln zu schlagen. Seit nun bereits mehr als zwei Jahren ist die jüngste Autonome Gruppe, das Kollektiv A-Perron, in Thun aktiv, und die Stimme stösst auf fruchtbaren Boden. Nach mehreren kreativen Aktionen und aufsehenerregenden Besetzungen kam das Anliegen, dank rot-grünen Stadträt_ innen in das Parlament. Der Gemeinderat hatte sich schliesslich im letzten Sommer dazu entschieden, die langjährige Forderung nach einem Autonomen Kultur- und Politzentrum so gut es geht zuzulassen.

Für das mindestens ein Jahr dauernde Projekt wurde eine geeignete Gruppe gesucht, die den Betrieb bei positiver Entwicklung weiterführen kann. Das Kollektiv war schlussendlich die einzige Gruppe, die die Aufgabe in diesem Gebäude in Angriff nehmen wollte. Es wurde schliesslich vom Stadtrat als Verhandlungspartner anerkannt und die Verhandlungen begannen. Doch was zuerst nach einer optimistischen Eröffnung des Zentrums auf Anfang 2013 aussah, hat sich mittlerweile in einen mühsamen Kampf durch den Haufen Papierkram der Bürokratie verwandelt. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Vorstellungen der Regierung nicht identisch sind mit den Wünschen des Kollektivs. Die strengen Reglementierungen ersticken immer mehr die Lust mit der Stadt zusammenzuarbeiten und stellen den eingeschlagenen politischen Weg infrage. Nichts desto trotz macht das Kollektiv heiter weiter, denn der unerfüllte Wunsch nach selbstbestimmten Freiräumen besteht hier und überall schon viel zu lange!

> Kollektiv A-Perron, Thun <

 
 
      aperronthun.wordpress.com
www.a-g-o.ch.vu
 
      | Kollektiv A-Perron, Thun |